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Branchen-Highlight zum 30. Jubiläum der Stiftung Initiative Mehrweg

von Heidi Müller

Basis AG Immobilienberatung auf den Reuse & Logistics Leadership Days 2026

Am 11. und 12. Juni 2026 wird Berlin zum Epizentrum der Mehrwegbranche in Deutschland. 30 Jahre Stiftung Initiative Mehrweg: Grund genug, um das wichtigste Branchenevent des Jahres für Politik, NGOs, Industrie, Logistik und Handel ins Leben zu rufen. Gemeinsam mit der 4. Deutschen Mehrwegkonferenz 2026 der Deutschen Umwelthilfe machen die Reuse & Logistics Leadership Days 2026 das smartvillage Berlin zum Place to be für alle Mehrwegakteure.

Auf der zweitägigen hochkarätigen Fachkonferenz diskutieren führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aktuelle Entwicklungen und Strategien rund um Kreislaufwirtschaft, Regulierung und Innovationen im Mehrwegsystem.

Der erste Tag der zukunftsorientierte Nachhaltigkeitskonferenz steht unter dem Motto „Mehrwegland Deutschland: Von der Wegwerf- zur Mehrweggesellschaft“. Neben der nationalen Mehrwegkonferenz der Deutschen Umwelthilfe mit führenden Stakeholdern der Branche stehen Fachvorträge, Keynotes, Panels, Foren und Masterclasses zur „Regulatorik in Deutschland“ auf dem Programm. Am 2. Tag steht „Europa und der neue Nachhaltigkeits-Binnenmarkt” im Fokus. EU-Vertreter, Branchenführer und Experten diskutieren Effizienz, Digitalisierung und Zirkularität im Mehrwegsystem.

Neben den Fachvorträgen bieten über 30 Aussteller und Startups im Messebereich die Möglichkeit für individuelles Networking. „Nachhaltigkeit ist auch im Immobiliensektor vom „Nice-to-have" zum zentralen ökonomischen und ökologischen Erfolgsfaktor geworden“ sagt Christian Spilgies, Mitgründer der Basis AG Immobilienberatung. „Gebäude und die Bauwirtschaft sind für einen massiven Teil der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Es liegt uns am Herzen, den Wandel zu klimafreundlichen Konzepten voranzutreiben und auf neue regulatorische Anforderungen zu reagieren. Es macht nicht richtig Sinn, Mehrwegglasflaschen zu verwenden, wenn gleichzeitig jeden Tag ca. 5.000 Tonnen Bauglas in Neubauten benötigt werden.“


Info:

Stiftung Initiative Mehrweg (SIM)
Taubenstraße 26
10117 Berlin

www.stiftung-mehrweg.de

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Taschen Verlag: Architekt Francis Kéré signiert „Building Stories“

von Heidi Müller

Wenn die Fantasie fliegt

Der burkinisch-deutsche Architekt Francis Kéré gewann 2022 den weltweit wichtigsten Architekturpreis − den Pritzker-Preis. Der Visionär, der mit 20 Jahren dank eines Stipendiums nach Deutschland kam und an der TU in Berlin studierte, schafft es wie kaum ein anderer, aus wenig viel machen. Mit einfachsten Mitteln erreicht er höchste Energieeffizienz. Seine Spezialität sind natürliche Belüftungssysteme, die ganz ohne Technik auskommen.

Mit einer großen Auswahl unveröffentlichter Skizzen, Fotos und Zeichnungen sowie inspirierenden Texten stellt der Taschen Verlag jetzt 26 seiner innovativen Projekte vor – von den Schulen in Afrika bis zu aktuellen Entwürfen weltweit. Der Band „Building Stories“ offenbart die Ideen und Werte, die ihn und sein sozial engagiertes Architektenbüro antreiben. Ob es um technische Details wie des Ziegelschneiden vor Ort geht oder um die politischen und ökologischen Kräfte, die seine Entwürfe prägen: Seine Begeisterung gilt sowohl dem Handwerk als auch groß angelegten Ideen. Das Kapitel – „Wie man Fantasie in das Raster der Regeln einfließen lässt (ohne sie daran zu hindern, zu fliegen)“ – spricht für sich. „Building Stories“ gibt einem das Gefühl, als würde man in Kérés Notizbuch blättern, vollgeschrieben mit seinen Anmerkungen zu seinen Werken. Übrigens: Das Buch gibt es auch als Art Edition, auf 100 Exemplare limitiert und von Francis Kéré signiert. Oder man lässt sich sein persönliches Exemplar am 9. Juni gleich von Francis Kéré im Taschen Store Berlin signieren. Der Architekt wird das Werk zusammen mit Aino Laberenz, Geschäftsführerin des Operndorfs Afrika in Burkina Faso, präsentieren.  Ein exklusiver sommerlicher Abend mit Drinks und Musik, ganz im Zeichen der fliegenden Fantasie.


Signierstunde: Dienstag, 9. Juni 2026, 18 Uhr

Taschen Store Berlin
Schlüterstraße 39
10629 Berlin

https://www.taschen.com/de/books/architecture-design/08099/francis-kere-building-stories/



Fotocredit:

The 2017 Serpentine Pavilion in Kensington Gardens, London.
Note: one of the most famous projects of his.
© Iwan Baan

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Art & Sip Lounge

von Heidi Müller

Symbiose des Berührenden

Eigentlich wollte sie Tänzerin werden. Schon mit vier Jahre trieb die Leipzigerin Claudia Goldschmidt ihr Leben auf die Spitze. Sie tanzte bis sie 20 war, dann hatte ihr Körper andere Vorstellungen. Sie machte eine Ausbildung zur Industriekauffrau, arbeitete als selbständige Handelsvertreterin, kellnerte im 4-Sterne-Restaurant „Rossini“ und im „Pflaumenbaum“ in ihrer Heimatstadt. „Das war eine gute Zeit“, erinnert sie sich. Als sie schwanger wurde, musste sie ihr Leben komplett umgestalten, trainierte mittelständische Führungskräfte im Verkauf.

Die Liebe veränderte erneut alles. Die Firma ihres Mannes produzierte Schraubverschlüsse für Weinflaschen. 2011 eröffneten sie ein Vertriebsbüro in Napa Valley, dem Weinparadies in den USA, eine eigene Produktion kam dazu. „Wir lebten sechs Monate in Kalifornien, sechs Monate in Deutschland.“ Was für ein Leben. Sie lernte gute Weine kennen und schätzen und die Winzer, die diese edlen Genüsse kreierten. „Dann kam Trump“, sagt sie. „Wir haben alles verkauft und sind nach Potsdam gezogen. Ich habe die Stadt schon immer geliebt, das Wasser, die Kultur“.

Aber sie wollte ein bisschen von ihrem kalifornischen Lebensgefühl aufleben lassen. Und eröffnete ihre Art & Sip Lounge. Ein Platz, um zu sein. Die Lounge erinnert eher an eine Galerie. Soll sie ja auch. Sechs Meter hohe Wände in Dunkelpetrol – „Dunkelpetrol bringt alle anderen Farben zum Strahlen“. Und davon gibt es mehr als genug. Großformatiges. Zeitgenössische Kunst. Regelmäßig wechselnde Werke lokaler Künstler. Den Anfang machte ein Freund: Peter Joseph Weymann aus Werder (Havel). „Er fuhr eines Tages mit einem überdimensionierten Auto vor und lud zwölf seiner Bilder aus.“ Bilder einer Ausstellung. Die Kunst an den Wänden ist handverlesen, lebendig, lokal und im ständigen Wandel. „Ich glaube, dass Ästhetik nicht elitär ist, sondern Einladung. In der Art & Sip Lounge treffen Kulinarik und Kunst aufeinander – nicht als Kulisse, sondern als gleichwertige Kräfte. Kunst berührt. Geschmack verbindet. Raum verwandelt.“

Sichtweisen. Empfindungen. Mitunter Haltungen. „Einige Gäste bestellen eine Flasche Wasser, ein Glas Wein, setzen sich auf die Empore und lesen ein Buch. Herrlich“, sagt sie, die Gastgeberin. Die Kuratorin. Die Raumschaffende. Die Lassende. 167 offene Weine bietet Claudia Goldschmidt an, ihr Ziel liegt bei 350. Damit der Wein weich fällt, gibt es Tapas, Flammkuchen, Käsespezialitäten oder frische Austern. Und wer dann ganz bei sich ist, ganz still, der hört sie vielleicht: die Geschichten von Winzern, Böden und Lebensentscheidungen.


Art & Sip Lounge
Anna-Zielenziger-Straße 3
14467 Potsdam

Öffnungszeiten:
Mi-So 16 – 22Uhr
Do 18 – 22 Uhr Oyster & Champaign Hour

https://artandsip.de

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Martina Tittel: Buchhändlerin, Verlegerin, Imaginationstalent

von Heidi Müller

„So ein satter, harmonischer Geruch“

Wenn man sie bitten würde, dass sie sich mit zwei Aussagen charakterisiert, würde sie sagen: „Ich habe die Gabe, zu imaginieren“ und „Ich habe eine Schildermacke.“  Das ließe sich aber noch mühelos ergänzen mit „Ich bin eine Kämpfernatur“ und „Ich rede niemanden nach dem Mund“. Martina Tittel sagt, was sie denkt. Das ist meistens sehr wohltuend. „Meine Oma hat mich beschissen“, sagt sie. Immer, wenn sie ihr etwas vorgelesen hat, habe sie einfach längere Passagen weggelassen. „Als ob ein Kind das nicht merkt.“ Das habe sie so wütend gemacht, dass sie beschlossen hat: Ich muss lesen lernen.
Man muss nicht an Vorsehung glauben, um den roten Faden dieser Geschichte aufzunehmen: Bücher spielen eine zentrale Rolle im Leben der in Berlin-Neukölln geborenen Martina Tittel. Nach der Schule macht sie eine Ausbildung zur Handelsassistentin, bei Karstadt am Hermannplatz. Sie studiert Biologie und Germanistik, ersetzt dann Biologie durch Politologie und Publizistik. Sie arbeitet als Krankenpflegerin auf einer Sozialstation, ist in der Hausbesetzer-Szene aktiv. Und wann kommen jetzt endlich die Bücher in ihr Leben? Gemach, gemach. „Ein Freund fragte mich, ob ich nicht in der Zossener Straße in Kreuzberg eine erkrankte Buchhändlerin vertreten könne.“ Sie konnte.
Willkommen in der Welt der Bücher: Elefanten Press-Buchhandlung, ein Buchhandels-Pilotprojekt bei IKEA (über zwei Jahre in vier Städten), Montanus-Kette, Abteilungsleiterin bei Wertheim. „Ich habe überall erst mal alles umgeräumt", sagt Martina Tittel. „Und ich habe Schilder angebracht. Wie ich in meinem Leben eben immer überall Schilder angebracht habe." Schilder strukturieren, Schilder sortieren, Schilder vereinfachen.

Zwischendurch hat sie den Kosmos der Bücher mal verlassen und setzte ihr strukturiertes Können für eine Bank ein. Filialen bauen, einrichten, planen, schlüsselfertig übergeben. Weitere bücherferne Auftraggeber folgten. Dann nahm sie wieder den roten Faden auf – und landete als Geschäftsführerin im Kulturkaufhaus Dussmann. Der Olymp, könnte man meinen. Sieben (verflixte) Jahre wirkte sie, machte aus dem Haus eine Marke. „Überwiegend durch Veranstaltungen", sagt Martina Tittel. „Ob Clinton oder Albright, alle kamen nur zu uns, wenn sie ein Buch vorstellten." Ende 2006 dann das Zerwürfnis. „Ich wurde rausgeschmissen. Wegen Ungehorsams …", erinnert sie sich. Wir wissen: Diese Frau redet nun mal niemanden nach dem Mund.

Ein Charakterzug. Eine Gewohnheit ist dagegen, dass sie Todesanzeigen liest. So erfährt sie, dass der Inhaber der Nicolaischen Buchhandlung in Friedenau verstorben war. Sie ahnen es: So kommt Martina Tittel zu ihrer ersten eigenen Buchhandlung, die älteste Buchhandlung Berlins, gegründet 1713.
Sie räumt alles um (die Gewohnheit), lässt neue Regale einbauen – „alle pyramidal ausgelegt, pyramidal ist essentiell“ – bringt Schilder an. „Ich wusste genau, wie meine Buchhandlung einmal aussehen wird.“ An die 10.000 Titel hat Frau Tittel zu bieten. Und Veranstaltungen.
2023 übernimmt sie dann noch den Nicolai Verlag – aus sentimentalen Gründen. Für sie ein historischer Zusammenschluss. Die Resonanz ihres Umfelds teilte sich in „Bist du bescheuert!“ und „Bist du mutig!“ Bescheuert mutig eröffnete sie dann in Kladow auch noch ihre zweite Buchhandlung.
Wenn ihre Oma gewusst hätte, was sie mit dem Auslassen von Textpassagen auslöst. Merke: Nichts im Leben geschieht ohne Konsequenzen.
Wenn Martina Tittel morgens ihre Buchhandlung in Friedenau betritt und den Duft ihrer Bücher einatmet – „morgens ist er am intensivsten, so ein satter, harmonischer Geruch“ – dann weiß sie: Sie hat alles richtig gemacht.

Nicolaische Buchhandlung
Rheinstraße 65
12159 Berlin
Tel.: 030 / 8524005

www.nicolaische-buchhandlung.de

https://nicolaische-buchhandlung.buchhandlung.de/shop/magazine/162768/nicolai_verlag.html

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SINOPOLIANA: Gefühlvolle Hommage zum 25. Todestag von Giuseppe Sinopoli

von Heidi Müller

Die Fähigkeit, Leidenschaft zu wecken

Die Götter müssen Musikliebhaber sein. Es heißt ja, wen sie lieben, den holen sie früh zu sich. Giuseppe Sinopoli starb 2001 im Alter von gerade mal 54 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts, den er während einer Aufführung von Verdis „Aida" an der Deutschen Oper Berlin erlitt. „Leb wohl, o Erde.“
Sinopoli war eine zentrale Figur der europäischen Musikkultur: Dirigent, Komponist, Intellektueller sowie Gelehrter der Mythologie und Antike. Nach dem Mauerfall wirkte er in Deutschland und hinterließ ein nachhaltiges Erbe, nicht nur beim Publikum, sondern auch in den Herzen derer, mit denen er zusammenarbeitete.
„Mein Vater besaß die große Fähigkeit, Musik, Medizin, Archäologie, mitteleuropäische Kultur und Psychologie in einen Dialog miteinander zu bringen", sagt sein Sohn Marco Sinopoli. „SINOPOLIANA soll nicht nur an ihn erinnern, sondern auch einen Raum schaffen, in dem seine Vision weiterhin lebendig bleibt.“
Der Ministro per lo Sport e i Giovani sowie das Ministero degli Affari Esteri e della Cooperazione Internazionale haben über das Italienische Kulturinstitut in Berlin, geleitet von Alessandro Turci, die Idee zu diesem interdisziplinären Projekt verwirklicht.  SINOPOLIANA: Ein Zyklus von Feierlichkeiten, um Giuseppe Sinopolis grundlegende Rolle im künstlerischen und intellektuellen Dialog zwischen Italien und dem deutschsprachigen Raum anzuerkennen. Getragen von führenden musikalischen und kulturellen Institutionen, soll Sinopolis Werk aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und in seiner ganzen Tiefe gewürdigt werden.
Das europaweite, dezentrale Festival findet in Berlin und Dresden, in Rom und Venedig statt und erstreckt sich über ein Jahr. Es umfasst Konzerte, Symposien, Ausstellungen sowie Bildungsinitiativen. Es eröffnete an Sinopolis Todestag mit einem Konzert im Meistersaal Berlin. Besonders bewegend: Sinopolis Witwe Silvia Cappellini Sinopoli spielte selber am Piano. Das nächste Konzert findet am 29. Juni in der Deutschen Oper in Berlin statt. „Giuseppe Sinopoli hat die Musiker und Musikerinnen am meisten von allen (Dirigenten) berührt“, sagt Jörg Königsdorf, Chefdramaturg der Deutsche Oper, bewegt. Er hatte die Fähigkeit, in anderen Menschen Leidenschaft zu wecken. Sinopoli leitete ab 1990 als Principal Conductor die Deutsche Oper Berlin und ab 1992 die Staatskapelle Dresden. „Sein Vermächtnis spüren wir noch heute“, betont auch Misha Aster, Chef Dramaturg der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die Maestro Sinopoli von 1992 bis zu seinem Tod leitete. Dennoch: Ein wenig länger hätten die Götter ihn uns noch lassen können.

Die weiteren Termine in Deutschland:

29. September 2026: Jazzkonzert mit Marco Sinopolis Extradiction, Dresden
15. Oktober 2026: Klassikkonzert in der Philharmonie Berlin – Großer Saal

https://iicberlino.esteri.it/it/


Fotohinweis: @Christoph Niemann commissioned by italienisches Kulturinstitut Berlin

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Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland

von Heidi Müller

Strahlende Bilderwelten

Da haben wir wieder den Beweis. Ein Blick über den Tellerrand kann nur bereichern. Mit seinem offenen Blick nach Frankreich prägte Max Liebermann den deutschen Impressionismus. Damit war er Wegbereiter der ersten künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Bis zum 7. Juni 2026 ist das Museum Barberini in Potsdam Schauplatz dieser Avantgarde. Insgesamt 116 Werke aus mehr als 60 internationalen Sammlungen sorgen für Gänsehaut-Momente. Im Zentrum steht Max Liebermann in seinen Rollen als Künstler, Sammler und Präsident der Berliner Secession, der entscheidende Impulse für die Internationalisierung des deutschen Kunstbetriebs gab.

Zugleich offenbart die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden entstand, eine neue Generation von Malerinnen und Malern, die, inspiriert von der französischen Moderne, Themen wie pulsierende Stadtansichten, Freizeit- und Naturdarstellungen, Kinderportraits und Theaterszenen künstlerisch weiterentwickelte. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den lange vernachlässigten Künstlerinnen wie Charlotte Berend-Corinth, Emilie von Hallavanya, Dora Hitz, Sabine Lepsius und Maria Slavona.

Die von Frankreich ausgehenden Impulse griffen deutsche Künstlerinnen und Künstler nach 1900 auf und entwickelten dabei eine eigenständige Bildsprache. Ihr Augenmerk richtete sich zunehmend auf die soziale Dimension der Kunst. Sie malten fortschrittliche Sozialeinrichtungen wie holländische Waisenhäuser und nahmen die neuesten Strömungen der Reformpädagogik in ihre Werke auf. Zugleich legten sie Wert auf eine erzählerische Form der Darstellung.

Neben lichtdurchfluteten Landschaften widmeten sich die Impressionisten in Deutschland nächtlichen Stadtansichten, erhellt durch moderne elektrische Beleuchtung. Sie thematisierten gesellschaftliche Spannungen sowie die Anonymität des Großstadtlebens. Dabei offenbarte sich eine ambivalente Sicht auf die Metropole zwischen dynamischem Kulturraum und Ort emotionaler Belastung. Ein ganzer Raum ist Berliner Stadtbildern gewidmet.

Max Liebermann sammelte selber Werke französischer Impressionisten, die für ihn den Maßstab zeitgenössischer Kunst darstellten, und beriet den damaligen Direktor der Nationalgalerie in Berlin, Hugo von Tschudi, bei dessen Ankäufen in Paris. Liebermanns bedeutende private Sammlung konnten die Gäste in seiner Villa am Wannsee bewundern. Ab 1909 legte er dort einen aufwendig gepflegten Garten an, dessen leuchtende Blütenpracht zum zentralen Motiv seines späten impressionistischen Schaffens wurde – vergleichbar mit Claude Monets Garten in Giverny.

Liebermann starb zwei Jahre nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten, die der modernen Malerei in Deutschland ein abruptes Ende setzten. Seine Witwe Martha Liebermann beging 1943 wenige Tage vor der geplanten Deportation nach Theresienstadt Suizid. Seine Villa am Wannsee bleibt als bedeutendes kulturelles Vermächtnis und politisches Mahnmal erhalten.

Infos:

Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam
Laufzeit der Ausstellung: bis 7. Juni 2026
www.museum-barberini.de

Fotohinweis:

Max Liebermann
Mein Haus in Wannsee mit Garten, um 1926
Öl auf Leinwand, 70,5 × 90,2 cm
Privatsammlung

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Schloss & Gutshof Britz

von Heidi Müller

Multitalent und Hidden Champion

Es ist einer dieser Orte, dessen Schönheit und Faszination man nicht vermutet, vor allem nicht im vorurteilsgesättigten Bezirk Berlin-Neukölln. Das Park- und Gebäudeensemble Schloss und Gutshof Britz ist eindeutig ein Hidden Champion.

Kultur, Natur, Architektur und Haute Cuisine an einem Standort. Das grenzt ja schon an Reizüberflutung. Dennoch ist das Ensemble ein innerstädtisches Refugium, das sich zu einem kulturellen Hotspot entwickelt hat. Epizentrum ist das liebevoll restaurierte Schloss Britz: seine Räume sind eine Zeitreise in die repräsentative Wohnkultur der Gründerzeit. Regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen verwandeln das Schloss in ein Museum.  „Uns liegt es am Herzen, einen Dialog von damals und heute herzustellen“, sagt Dr. Martin Steffens, Geschäftsführer der Kulturstiftung Schloss Britz.

Insgesamt gibt es jährlich bis zu 70 Kulturveranstaltungen auf dem Gutshof. „Immer mehr Veranstalter erkennen die Qualität des Standorts“, freut sich Dr. Steffens, der in Münster Kunstgeschichte studiert und an der Berliner FU promoviert hat. Thema seiner Doktorarbeit: „Luthergedenkstätten im 19. Jahrhundert“. Bei seinen Recherchen in der Lutherstadt Wittenberg entdeckte er, dass alle historischen Bauzeichnungen von Lutherhaus, Lutherhalle und Schlosskirche gestohlen worden waren. Nachdem ein Strafermittlungsverfahren eingeleitet wurde, fanden rund 1000 Bauzeichnungen wieder zurück ins Stadtarchiv. Kommissar Zufall im Einsatz.

Aktuell schlägt Dr. Steffens Herz für Venedig. Nein, nein, nicht als Commissario Brunetti. Am 7. März beginnt im Schloss Britz die Ausstellung „Venedig sehen und...“ Auch sie wird durch die Freunde und Förderer Schloss Britz e.V. unterstützt. Sie bereichern das kulturelle Leben auf dem Standort im wahrsten Sinne des Wortes: sei es durch das bronzene Milchmädchen im 1,8 Hektar großen Schlosspark oder dem Bechstein-Flügel im Kulturstall. Der einstige Kuhstall dient mit seiner State of the Art-Akustik als attraktiver Konzertsaal.

Auf dem Gutshof gibt es wahrlich nichts, was den Genuss und die Ruhe der Gäste stören könnte. Außer, wenn das Hufgetrappel der Kutschpferde über den Gutshof klappert.


Schloss und Gutshof Britz
Alt-Britz 73 – 81, 12359 Berlin
www.schlossbritz.de
www.schloss-gutshof-britz.de

Tel.: +49 30 60979230

Bildnachweis: Schloss Britz © Jens Ferchland

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TASCHEN WAREHOUSE SALE

von Heidi Müller

Tollkühne Glückseligkeit

Möchten Sie sich eine Welt ohne Bücher vorstellen? Das Aufschlagen eines jungfräulichen Buches, dieses Geräusch beim ersten Öffnen, dieser einzigartige Duft des Papiers. Bücher bereichern nicht nur unsere mentalen Ressourcen, sondern auch unsere Sinne. Magische Erlebnisse dieser Art bietet der Taschen Verlag mit seinen Wunderwerken.

Die gibt es jetzt wieder im Warehouse Sale mit Preisnachlässen von bis zu 75 Prozent, und zwar bei Ansichts- oder Mängelexemplaren aus den Themenbereichen Kunst, Architektur, Design, Grafik, Film, Fotografie, Mode, Reise, Popkultur und Sex.

Stöber-Zeit ist von Mittwoch, 4. Februar – mit exklusiver Preview Party von 17 bis 20 Uhr – bis Samstag, 7. Februar, im TASCHEN Store in Berlin. Oder bequem von Zuhause von Donnerstag, 5. Februar, bis Sonntag, 8. Februar, bei taschen.com.

1980 hat Taschen die Arbeit als kultureller Schatzgräber aufgenommen. Seitdem steht der Verlag für erschwingliche, hochwertige und mitunter tollkühne Publikationen von Kunst bis Körperkult. Mögen uns die Magie der Bücher noch lange beglücken.


TASCHEN Store Berlin
Schlüterstr. 39
10629 Berlin

www.taschen.com

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Ristorante „Il Punto“: Eine deutsche Zeitreise

von Heidi Müller

„Das Leben schenkt mir Menschen“

Jeder von uns hat seine Bestimmung. Da ist er sich absolut sicher. Eigentlich wollte der im sizilianischen Camporeale geborene Giuseppe Perna Jurist werden. „Wegen meiner Veranlagung für soziale Gerechtigkeit,“ sagt er. Dann schickte ihn sein Vater aufs Internat mit angeschlossener Hotelfachschule. Da war er gerade mal 14 Jahre alt.

Mit dem Diplom in der Tasche geht er nach Mailand, arbeitet als Kellner. Als er seinem Bauchgefühl folgt und seinen ehemaligen Lehrer im Internat besucht, fällt sein Blick auf einen weißen Briefumschlag auf dessen Schreibtisch. Er entziffert „Hotel Steigenberger, Bonn“. Intuitiv bewirbt er sich: in diesem unbekannten Bonn, auf italienisch. „Zwei Wochen später erhalte ich eine Antwort: Caro Peppe, wann kannst Du kommen? Gruß Mimmo Cusenza. Ein Mitschüler aus dem Internat.“ Zufall?

Er weiß es noch wie heute: „Am 8. März 1977 fahre ich nach Palermo, nehme um 10 Uhr den Zug nach Milano. Nach 22 Stunden Fahrt erreiche ich dann am 9. März um 8 Uhr Milano. Um 21.45 Uhr komme ich in der damaligen Bundeshauptstadt an.“ Eine Zugfahrt in ein neues Leben.

In den nächsten drei Jahren betreut er die Bonner Politprominenz und ihre internationalen Gäste auf diversen Staatsbanketten im Steigenberger, in der Villa Hammerschmidt und im Gästehaus Schloss Gymnich. Dann wirkt er im Hotel Bristol. Dort waren häufig Gäste des Auswärtigen Amtes untergebracht. Was könnte er alles erzählen: Bundespräsident Walter Scheel, Bundeskanzler Helmut Schmidt, Herbert Wehner, Bundeskanzler Helmut Kohl, US-Präsident Jimmy Carter, Ägyptens Präsident Answar Sadat... Sie alle hat er als Gäste betreut. Peppe Perna ist ein Oszillator der Bonner Republik. Wenn er von damals erzählt, wird einem, der in dieser Zeit geboren ist, ganz warm ums Herz. Plötzlich flackern schwarz-weiß Filme mit Heinz Erhardt und Abendshows mit Hans-Joachim Kulenkampff vor einem auf.

Die Zeitreise geht weiter, führt ihn ins Hotel am Tulpenfeld. Das einzige Hotel direkt im damaligen Regierungsviertel, im Zentrum der Macht. Hier arbeitet auch Ettore Di Pietrantonio aus den Abruzzen als Souschef. „Um 1984 herum spielten wir plötzlich mit dem Gedanken, uns selbständig zu machen“, sagt Peppe Perna. Seine Wurzeln lassen ihm keine Ruhe. „Siziliens Geschichte ist geprägt von der Gastlichkeit und den kulturellen Einflüssen zahlreicher Völker, die die Insel über Jahrhunderte hinweg besiedelten.“ Peppe will selber Gastgeber sein. „Zu der Zeit träumten plötzlich alle von einem Gourmettempel. Jeder, der eine Kneipe besaß, wollte daraus einen Gourmettempel machen“, lacht er.

Der Zeitpunkt ist gekommen. Peppe und Ettore übernehmen die Kneipe „Zur Kastanie“ in einem Ortsteil am nördlichen Stadtrand der Bundesstadt Bonn mit rund 4900 Einwohnern: Buschdorf. Als 1987 ein Restauranttester das „La Castagna“ besucht, bemerkt er zwar, dass es keine Pizza gibt, aber es muss ihm gemundet haben. Nach seinem Besuch geht es steil bergauf, der Italiener in Buschdorf avanciert zum Geheimtipp für die gesamte Region von Bonn bis Köln. Zeit, ein zweites Restaurant zu eröffnen, und zwar direkt im Regierungsviertel: das „Il punto“, Treffpunkt für die Bonner Politprominenz. Mit Kanzlertisch und Kanzlerdiagonale. „Bei uns saßen sich die beiden Kanzler Kohl und Schröder in gebührendem Abstand diagonal gegenüber“, erklärt Peppe Perna. Es würde Drehbücher für Netflix-Serien füllen, würde Peppe Perna erzählen. Tut er aber nicht. Das schätzen auch seine Gäste.

Als Kolumnist Martin S. Lambeck das Il punto dann noch als Edel-Italiener adelt, scheint der sizilianische Gastgeber den Olymp erklommen zu haben.

Dann fällt die Mauer.

„Man muss immer nach vorne schauen“ sagt er und erinnert sich an einen Leitsatz seines weisen Vaters: „Wenn du nach vorne gehst, musst du immer neue Schuhe tragen.“ Er spürt im tiefsten Inneren: Berlin ist meine Bestimmung. Il destino. 2004 zieht Peppe Perna nach Berlin.

Ohne Restaurant. Ohne gastgebende Funktion. Bei einem Spaziergang rund um das Brandenburger Tor sieht er an einem geschlossenen Café ein Schild: Zu vermieten. Mamma mia. Was für ein majestätischer Standort, denkt er und ruft die angegebene Telefonnummer in Frankfurt am Main an. Es meldet sich ..... ein ehemaliger Gast aus dem La Castania in Buschdorf. Am nächsten Tag treffen sich Beide in Berlin. Zufall?

Direkt am Brandenburger Tor eröffnet Peppe Perna sein Berliner Il Punto, muss das Objekt aber wieder dem hungrigen Immobilienmarkt überlassen. Doch er ist sich bewusst, dass er auf neuen Schuhen wandelt. Und erfährt über einen Gast aus Bonner Zeit, dass in der Neustädtischen Kirchstraße eine große Gewerbefläche leer steht. Am 1. Juli 2009 öffnet das Il Punto 2.0 seine Türen.

Die Türen in Peppe Pernas Berliner Destino. Der Zug hat seinen Zielbahnhof erreicht. Auch das Berliner Il Punto erfüllt seine Bestimmung. Es ist Treffpunkt, Schmelztiegel, Epizentrum. Scusi, und natürlich Edel-Italiener. Auch hier werden Entscheidungen getroffen, die die Bundesrepublik Deutschland geprägt haben. Und weiter prägen werden.

Der Nukleus von allem: Giuseppe Perna. Mit Verlaub: Ohne ihn wäre das Il Punto nur ein Edel-Italiener. Erst durch seine Energie wird es zu einem Ort der genussvollen Glückseligkeit. „Momento momento, dazu tragen aber auch Enrico Catapano, mein Geschäftspartner und Küchenchef und unser ganzes Team bei“, betont der Patrone und ergänzt: „Das Erreichen der Zufriedenheit meiner Gäste ist mein Herzensanliegen. Darin finde ich meine innere Zufriedenheit.“

Seit über 55 Jahren kreiert er dieses Gefühl. Seit 40 Jahren bietet er als Gastgeber Emotionen an, betreut seine Gäste mit maximaler Aufmerksamkeit. „Es ist meine Bestimmung, Menschen zu begegnen. Ich bin dankbar für das, was das Leben mir schenkt. Es schenkt mir Menschen.“


Il Punto
Neustädtische Kirchstr. 6 | 10117 Berlin
www.ilpunto.net

Foto: Mohan Tharmalingam, Enrico Catapano, Peppe Perna

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Die Uckerose Manufaktur der Elena von Gieck

von Heidi Müller

Die beseelte Alchemistin

Es war einmal eine junge Frau aus Kasachstan, die studierte Chemie. Leider ohne jegliche Leidenschaft. Die schien in ihrem jungen Leben im Dornröschenschlaf. Mit 25 Jahren kommt Elena von Gieck nach Deutschland, macht eine Umschulung zur Industriekauffrau. Finanzcontrolling? Auch nicht gerade geeignet, um ihre Leidenschaft zu wecken. Doch das Verlangen ihrer Seele, ihre Sehnsucht bleibt hartnäckig. „Was macht mich aus?“ fragt sie sich. Ihre innere Expedition beginnt. „Ich fühlte mich entwurzelt. Ich war auf der Suche nach meinem Zuhause, nach Geborgenheit. Nach Ankommen.“

Sie fühlt sich zur Pflanzen- und Naturheilkunde hingezogen, stellt Kosmetik und Parfüm her, gibt Kurse an der Volkshochschule. „Damit fing mein Erwachen an. Ich spürte etwas Lebendiges in mir.“ Sie zieht aus Baden-Württemberg nach Brandenburg, erinnert sich plötzlich an ein kleines französisches Café in Erfurt. Ein Zeichen? Sollte sie ein Café eröffnen? Mit 45 Jahren? Ohne Kapital? Die Sehnsucht bleibt unerschütterlich. „Mein größtes Kapital ist mein Kopf“, sagt sie sich und findet einen Investor. 2011 eröffnet sie in Templin ihr eigenes kleines Café und Schokoladenlädchen „Gourmet Flammerie Templino“. In der verwunschenen Einkaufspassage pflanzt sie einen Rosenstock.

Nach zwei Jahren wird sie unruhig, sucht nach Räumlichkeiten. In Bernau wird sie fündig. Voilà: das Café Flammerie Pascal ward geboren. Doch nach einem Jahr ist sie wieder da, die innere Unruhe. Diesmal wird sie in Potsdam fündig, haucht dem Hofcafé Madame Récamiere ihr Leben ein. Und verliebt sich in die Garnisonsstadt.

Auf einer Reise an den Gardasee entdeckt Elena von Gieck in einer kleinen Sackgasse ein Lädchen. „Karins Limoncello Laboratorium“. Eine ältere Frau köchelte im Hinterstübchen Marmelade. „Ich war auf der Stelle verzaubert“, erzählt sie. Dann sieht sie eines Tages im Fernsehen einen Bericht über einen Bio-Rosenhof in der Uckermark. Zwei Tage später steht sie vor dem Hof, öffnet das hölzerne Tor – und begegnet ihr: der Rose. „Dieser betörende Duft, diese leuchtende Farbe. In diesem Moment hat sich für mich die Welt geöffnet.“

Die Rose weckt nicht nur die Weiblichkeit und Sinnlichkeit in ihr, sondern auch die Alchemistin. Sie ist beseelt von ihrem innigsten Wunsch, ein Elixier der Sinnlichkeit zu kreieren – und gründet die Marke „Uckerose“ und die Rosenlaboratorium-Manufaktur in Templin. Dort wird fortan in kupfernen Destillen mit viel Liebe und Hingabe filtriert, extrahiert, kombiniert, abgefüllt, etikettiert, verpackt.

Die Ergebnisse ihrer Liebe zur Rose und zur alchemistischen Kunst gibt es in ihrem verführerisch duftenden Laden in Potsdams Gourmetmeile, der Gutenbergstraße: vom Rosenmousse Gold (eine Geschmacksexplosion aus ca. 20 duftenden Rosenblüten) über alkoholfreien Rosen-Spritz, Single Malt und Rosen-Elixier mit fassgereiftem Portwein, Granatapfel und Rosmarin bis zu Schokolade, Rosensalz und Rosenpfeffer sowie Rosen-Früchtetee.

Elena von Gieck ist angekommen. Eine Rose aus der Uckermark – übrigens ein Tiefwurzler – hat sie dabei unterstützt, selber Wurzeln zu schlagen. Woher sie in all den Jahren den Mut genommen hat? „Ich bin beim Gehen gewachsen“, sagt sie. „Es ist nie zu spät, seine Bestimmung zu leben.“


Rosen-Laden – Laboratorium

Elena von Gieck
Gutenbergstrasse 31
14469 Potsdam

www.uckerose.de

www.rosenbotschafterin.de

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Museum Barberini: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

von Heidi Müller

Magischer Tausendsassa

Wann haben Sie das letzte Mal ein Einhorn gesehen? Nicht unbedingt leibhaftig, nein, nein. Aber Einhörner sind absolut en vogue. Sie schmücken Kinderzimmer und Schulranzen, gerne in einem nicht zu übersehenden Schrill-Pink. Das Museum Barberini widmet dem Fabeltier jetzt eine fantastische Ausstellung: Rund 150 Werke aus einem Zeitraum von etwa 4000 Jahren, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, illuminierte Manuskripte, Plastiken und Tapisserien. „Viele dieser Werke werden nur selten ausgeliehen“, sagt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. „Wir freuen uns, dass wir mit unserem Ausstellungskonzept über 80 Leihgeber aus 16 Ländern überzeugen konnten.“ Keine Frage: das Museum ist mit einer besonderen Freizügigkeit beglückt worden. Zu den Leihgebern gehören u.a. die Gallerie degli Uffizi, Florenz, das Metropolitan Museum of Art, New York, das Musée du Louvre, Paris, das Museo Nacional del Prado, Madrid und das Victoria and Albert Museum, London.

In der Kunst ist das beeindruckende Wesen omnipräsent. „Jedes große Museum hat mindestens eine Darstellung in seiner Ausstellung,“ sagt Chefkurator Michael Philip. „Das Einhorn ist magisch. Das mythische Wesen ist ein vielschichtiges Zeichen, von dem eine besondere assoziative Energie ausgeht. Es ist in keinem Zoo als lebendes Tier zu sehen, aber zugleich allgegenwärtig – in der Popkultur, als Werbung oder in den Kinderzimmern“, erklärt der empathische, begeisternde Kurator der Ausstellung. Man könnte ihm stundenlang zuhören. „Das eine Horn auf der Stirn, das kein anderer Vierfüßer trägt, gilt als Zeichen der Auserwähltheit. Es zeigt das Einhorn als etwas Außergewöhnliches, das einer anderen Welt als der alltäglichen angehört. Dieser übernatürliche Status, seine ferne Vertrautheit, macht es zu einer Projektionsfläche für Sehnsüchte und Idealvorstellungen,die sich aus überlieferten Geschichten und Bildern speist.“

Seit dem 16. Jahrhundert sammelten Fürsten und wohlhabende Bürger kostbare, seltene oder kuriose Objekte in Kunst- und Wunderkammern.. Das Horn des Einhorns – tatsächlich der Zahn des Narwals – war überaus begehrt. Das lag nicht nur an seiner Stellung zwischen Phantastik und Wirklichkeit, sondern auch an seinem besonderen Erscheinungsbild sowie seiner kulturellen Bedeutung. Bis ins 17. Jahrhundert war man überzeugt, dass Einhörner existieren. Dann siegte die Vernunft. Leider.

Das Einhorn – ein Tausendsassa: Christussymbol, Wappentier, Allheilmittel, Türhüter der Fantasie. Wenn man schon immer mal wissen wollte, wie man ein Einhorn fängt: in der Ausstellung findet man garantiert die Antwort.

P.S. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Workshops, Vorträgen, Gesprächen, einer Lesung und einem Konzert sowie einem
Filmprogramm begleitet.


Museum Barberini
Alter Markt
Humboldtstraße 5–6
14467 Potsdam

Ausstellungsdauer: bis 1. Februar 2026

Besucherservice
T +49 331 236014-499

www.museum-barberini.de

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André Butzer und Lars Eidinger im Taschen Store Berlin

von Heidi Müller

Sehnsüchte, die man verwenden kann

Dieser Herbst soll es ja bekanntlich in sich haben. Während die einen nur reden, handeln die anderen. Im Taschen Store Berlin wird es Allerheiligen hochkarätig. André Butzer, einer der international anerkanntesten Maler seiner Generation, signiert das Buch Die Jahreszeiten. Gedichte von Friedrich Hölderlin. Für dieses Künstlerbuch hat André Butzer 47 Gedichte zusammengestellt, die Hölderlin zwischen 1793 und 1843 zu den vier Jahreszeiten schrieb. Dazu hat er selbst 40 Aquarelle geschaffen. Hölderlin ist wohl André Butzers Lieblingsdichter und zählt neben Walt Disney und Henri Matisse zu seinen „Lieblingspersönlichkeiten überhaupt“. Seine Identifikation mit dem Dichter geht sogar so weit, dass Hölderlins Todestag Butzers eigener Geburtstag ist.

Hölderlin formuliert, so Butzer „genauso wie Disney Sehnsüchte. Und die kann man verwenden.“ Für Hölderlin ist die Dichtung jener Ort, der einen menschlichen Aufenthalt auf Erden möglich macht. Für Butzer ist es die Malerei. In der Dichtung findet er Beistand, um die extremen Widersprüche der Welt malerisch auszutragen und auszusöhnen. Das sich so magisch ergänzende Werk wird an diesem Tag noch erhöht; kein geringer als Schauspieler Lars Eidinger wird im Taschen Store Gedichte aus dem fantasievollen Werk vortragen.


Sa, 1. November, 17 – 18 Uhr
TASCHEN Store Berlin
Schlüterstr. 39
10629 Berlin


TASCHEN
André Butzer. Hölderlin
Hardcover, 24.8 x 33.3 cm, 1,5 kg, 204 Seiten
taschen.com

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