SINOPOLIANA: Gefühlvolle Hommage zum 25. Todestag von Giuseppe Sinopoli
von Heidi Müller
Die Fähigkeit, Leidenschaft zu wecken
Die Götter müssen Musikliebhaber sein. Es heißt ja, wen sie lieben, den holen sie früh zu sich. Giuseppe Sinopoli starb 2001 im Alter von gerade mal 54 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts, den er während einer Aufführung von Verdis „Aida" an der Deutschen Oper Berlin erlitt. „Leb wohl, o Erde.“
Sinopoli war eine zentrale Figur der europäischen Musikkultur: Dirigent, Komponist, Intellektueller sowie Gelehrter der Mythologie und Antike. Nach dem Mauerfall wirkte er in Deutschland und hinterließ ein nachhaltiges Erbe, nicht nur beim Publikum, sondern auch in den Herzen derer, mit denen er zusammenarbeitete.
„Mein Vater besaß die große Fähigkeit, Musik, Medizin, Archäologie, mitteleuropäische Kultur und Psychologie in einen Dialog miteinander zu bringen", sagt sein Sohn Marco Sinopoli. „SINOPOLIANA soll nicht nur an ihn erinnern, sondern auch einen Raum schaffen, in dem seine Vision weiterhin lebendig bleibt.“
Der Ministro per lo Sport e i Giovani sowie das Ministero degli Affari Esteri e della Cooperazione Internazionale haben über das Italienische Kulturinstitut in Berlin, geleitet von Alessandro Turci, die Idee zu diesem interdisziplinären Projekt verwirklicht. SINOPOLIANA: Ein Zyklus von Feierlichkeiten, um Giuseppe Sinopolis grundlegende Rolle im künstlerischen und intellektuellen Dialog zwischen Italien und dem deutschsprachigen Raum anzuerkennen. Getragen von führenden musikalischen und kulturellen Institutionen, soll Sinopolis Werk aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und in seiner ganzen Tiefe gewürdigt werden.
Das europaweite, dezentrale Festival findet in Berlin und Dresden, in Rom und Venedig statt und erstreckt sich über ein Jahr. Es umfasst Konzerte, Symposien, Ausstellungen sowie Bildungsinitiativen. Es eröffnete an Sinopolis Todestag mit einem Konzert im Meistersaal Berlin. Besonders bewegend: Sinopolis Witwe Silvia Cappellini Sinopoli spielte selber am Piano. Das nächste Konzert findet am 29. Juni in der Deutschen Oper in Berlin statt. „Giuseppe Sinopoli hat die Musiker und Musikerinnen am meisten von allen (Dirigenten) berührt“, sagt Jörg Königsdorf, Chefdramaturg der Deutsche Oper, bewegt. Er hatte die Fähigkeit, in anderen Menschen Leidenschaft zu wecken. Sinopoli leitete ab 1990 als Principal Conductor die Deutsche Oper Berlin und ab 1992 die Staatskapelle Dresden. „Sein Vermächtnis spüren wir noch heute“, betont auch Misha Aster, Chef Dramaturg der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die Maestro Sinopoli von 1992 bis zu seinem Tod leitete. Dennoch: Ein wenig länger hätten die Götter ihn uns noch lassen können.
Die weiteren Termine in Deutschland:
29. September 2026: Jazzkonzert mit Marco Sinopolis Extradiction, Dresden
15. Oktober 2026: Klassikkonzert in der Philharmonie Berlin – Großer Saal
https://iicberlino.esteri.it/it/
Fotohinweis: @Christoph Niemann commissioned by italienisches Kulturinstitut Berlin